Welchen Einfluss hat der TSH-Wert auf den Kinderwunsch?
Die Schilddrüse bildet Hormone, die zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper beeinflussen und auch für den weiblichen Zyklus und die Fortpflanzung eine Rolle spielen. Ausgeprägte Störungen der Schilddrüsenfunktion können deshalb auch bei Kinderwunsch relevant sein.
Der wichtigste Laborwert zur ersten Beurteilung der Schilddrüsenfunktion ist das TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon). Ist der Wert auffällig, können weitere Untersuchungen wie die Bestimmung des freien Schilddrüsenhormons fT4 und – je nach Fragestellung – von Schilddrüsenantikörpern sinnvoll sein.
Ob eine Untersuchung der Schilddrüse bei Kinderwunsch erforderlich ist, hängt von der individuellen Situation ab. Besonders relevant ist sie beispielsweise bei einer bereits bekannten Schilddrüsenerkrankung, entsprechenden Beschwerden oder auffälligen Vorbefunden.
- Schilddrüse, TSH und Fruchtbarkeit bei Kinderwunsch
- Therapien & Behandlungsmöglichkeiten
- Ursachen für einen niedrigen oder hohen TSH-Wert
- Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion
- Hashimoto Thyreoiditis und Kinderwunsch
- Schilddrüsenfehlfunktion nach der Schwangerschaft
Schilddrüse, TSH und Fruchtbarkeit bei Kinderwunsch
TSH, T3 und T4: So wird die Schilddrüsenfunktion gesteuert
TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) wird in der Hirnanhangsdrüse gebildet und steuert die Produktion der Schilddrüsenhormone. Sinkt deren Konzentration im Blut, wird in der Regel mehr TSH ausgeschüttet und die Schilddrüse zur Bildung der Hormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin) angeregt. Steigt die Konzentration der Schilddrüsenhormone, sinkt wiederum die TSH-Ausschüttung.
Dieser Regelkreis wird zusätzlich durch das im Hypothalamus gebildete TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) gesteuert. Da TSH empfindlich auf Veränderungen der Schilddrüsenfunktion reagiert, ist es der wichtigste Laborwert für deren erste Beurteilung. Bei auffälligem TSH können weitere Werte, insbesondere fT4, zur Einordnung herangezogen werden.
Welche TSH-Werte bei Kinderwunsch und Schwangerschaft empfohlen werden
Der TSH-Wert wird im Blut bestimmt und anhand des Referenzbereichs des jeweiligen Labors beurteilt. Ein einzelner Grenzwert gilt dabei nicht für jede Lebenssituation gleichermaßen. Auch Alter, Schwangerschaft und eine bereits bestehende Schilddrüsenerkrankung können bei der Beurteilung eine Rolle spielen.
In der Schwangerschaft verändert sich die Schilddrüsenfunktion unter anderem durch den Einfluss des Schwangerschaftshormons hCG. Nach der aktuellen deutschen Leitlinie gilt ein TSH-Wert von 4,0 mU/l als obere Referenzgrenze, sofern keine geeigneten regionalen beziehungsweise laborspezifischen Referenzwerte für Schwangere vorliegen. Ein TSH-Wert über 2,5 mU/l bedeutet daher nicht automatisch, dass eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt oder behandelt werden muss.
Auch bei Kinderwunsch gilt nicht für jede Frau pauschal ein TSH-Zielwert unter 2,5 mU/l. Anders kann die Situation beispielsweise bei einer bereits bekannten und behandelten Schilddrüsenunterfunktion sein. Hier können vor und während einer Schwangerschaft niedrigere therapeutische Zielwerte angestrebt werden. Die Einordnung sollte deshalb immer anhand der individuellen Ausgangssituation erfolgen.
Schilddrüsenantikörper und Hashimoto: Was bei Kinderwunsch wichtig ist
Bei einer Hashimoto Thyreoiditis richtet sich das Immunsystem gegen Bestandteile der Schilddrüse. Typisch sind insbesondere Antikörper gegen die Thyreoperoxidase (TPO-Antikörper). Auch Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-Antikörper) können auftreten. TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper) spielen dagegen vor allem bei Morbus Basedow eine Rolle.
Eine Bestimmung von Schilddrüsenantikörpern ist bei Kinderwunsch jedoch nicht grundsätzlich bei jeder Frau erforderlich. Entscheidend sind die individuelle Vorgeschichte, die Schilddrüsenfunktion und bereits vorliegende Befunde. Auch ein positiver TPO-Antikörperbefund bedeutet nicht automatisch, dass eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen notwendig ist.
Bei einem erhöhten TSH-Wert werden zur weiteren Einordnung insbesondere das freie T4 (fT4) und – je nach Befund – TPO-Antikörper bestimmt. Ob eine Behandlung mit Levothyroxin sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, ob eine manifeste oder latente Schilddrüsenunterfunktion vorliegt, wie hoch der TSH-Wert ist und ob bereits eine Schwangerschaft besteht oder eine Schilddrüsenerkrankung behandelt wird.
Für Frauen mit normaler Schilddrüsenfunktion und positiven TPO-Antikörpern lässt sich dagegen nicht pauschal ableiten, dass eine vorsorgliche Behandlung mit Levothyroxin die Fruchtbarkeit oder den Schwangerschaftsverlauf verbessert. Die Entscheidung sollte deshalb individuell getroffen werden.
Gut zu wissen: In Deutschland gehört die Untersuchung auf eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion zum Neugeborenen-Screening. Dafür wird in den ersten Lebenstagen unter anderem TSH aus einer Trockenblutprobe bestimmt.
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Die Schilddrüsenfunktion kann bei Kinderwunsch eine Rolle spielen. TSH gehört deshalb zu den sieben Hormonwerten, die unser Fruchtbarkeitstest für Frauen erfasst. Neben TSH werden AMH, FSH, LH, Östradiol, Prolaktin und Testosteron bestimmt. Die Ergebnisse werden fachärztlich ausgewertet und verständlich für Sie eingeordnet – bequem von zuhause aus.
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Hypothyreose und latente Schilddrüsenunterfunktion: Therapien & Behandlungsmöglichkeiten
Eine Schilddrüsenunterfunktion wird in der Regel mit Levothyroxin (L‑Thyroxin) behandelt. Das Medikament ersetzt das Schilddrüsenhormon T4, das der Körper bei einer Unterfunktion nicht in ausreichender Menge bildet. Die benötigte Dosis wird individuell anhand der Schilddrüsenwerte angepasst.
Bei einer latenten Schilddrüsenunterfunktion – also einem erhöhten TSH-Wert bei normalem fT4 – ist dagegen nicht in jedem Fall eine Behandlung erforderlich. Ob Levothyroxin sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Höhe des TSH-Wertes, weiteren Schilddrüsenbefunden sowie davon ab, ob eine Schwangerschaft besteht oder geplant ist.
Frauen mit einer bereits bekannten und behandelten Schilddrüsenunterfunktion sollten ihre Schilddrüsenwerte möglichst vor einer geplanten Schwangerschaft kontrollieren lassen. Levothyroxin kann und soll bei bestehender Behandlungsindikation auch während der Schwangerschaft weiter eingenommen werden. Da der Bedarf an Schilddrüsenhormonen in der Schwangerschaft häufig steigt, sind regelmäßige Kontrollen wichtig und die Dosis muss gegebenenfalls angepasst werden.
Ursachen für einen niedrigen oder hohen TSH-Wert
Ein TSH-Wert außerhalb des Referenzbereichs kann auf eine veränderte Schilddrüsenfunktion hinweisen. Für die weitere Einordnung werden insbesondere die freien Schilddrüsenhormone, vor allem fT4, berücksichtigt.
Ein erniedrigter TSH-Wert kann auf eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) hinweisen. Mögliche Ursachen sind beispielsweise:
- Morbus Basedow
- eine Schilddrüsenautonomie, beispielsweise durch autonome Knoten
Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gegen den TSH-Rezeptor (TRAK) die Schilddrüse stimulieren und dadurch eine verstärkte Produktion von Schilddrüsenhormonen auslösen können. Die Erkrankung kann neben der Schilddrüse auch andere Organe betreffen, insbesondere die Augen.
Ein erhöhter TSH-Wert kann dagegen auf eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hinweisen. Eine häufige Ursache ist die Hashimoto Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Ob tatsächlich eine behandlungsbedürftige Unterfunktion vorliegt, hängt jedoch nicht vom TSH-Wert allein ab.
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann sich durch unterschiedliche und häufig unspezifische Beschwerden bemerkbar machen. Gerade bei Kinderwunsch oder einer geplanten Schwangerschaft kann es wichtig sein, eine bestehende Schilddrüsenerkrankung frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln.
Mögliche Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind:
- Müdigkeit
- trockene Haut
- Verstopfung
- Muskel- oder Gelenkschmerzen
- vermehrtes Frieren und Kälteempfindlichkeit
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Zyklusveränderungen
Da diese Beschwerden auch zahlreiche andere Ursachen haben können, lässt sich eine Schilddrüsenunterfunktion nicht anhand der Symptome allein feststellen. Zur Abklärung werden die Schilddrüsenwerte im Blut bestimmt.
Hashimoto Thyreoiditis und Kinderwunsch
Die Hashimoto Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen Bestandteile des Schilddrüsengewebes. Im Verlauf kann die Funktion der Schilddrüse abnehmen und eine Schilddrüsenunterfunktion entstehen. Typisch sind insbesondere erhöhte TPO-Antikörper; auch Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-Antikörper) können nachweisbar sein.
Hashimoto tritt bei Frauen im gebärfähigen Alter relativ häufig auf und kann deshalb auch bei Kinderwunsch eine Rolle spielen. Schilddrüsenfunktionsstörungen können unter anderem den Zyklus und die Fruchtbarkeit beeinflussen. Studien zeigen zudem Zusammenhänge zwischen einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung und verschiedenen reproduktiven Faktoren. Wie stark die Schilddrüsenautoimmunität unabhängig von der eigentlichen Schilddrüsenfunktion die Fruchtbarkeit beeinflusst, ist jedoch nicht abschließend geklärt.
Bei Kinderwunsch ist deshalb vor allem entscheidend, ob die Schilddrüse ausreichend Hormone produziert. Besteht bei Hashimoto eine behandlungsbedürftige Schilddrüsenunterfunktion, wird diese mit Levothyroxin behandelt und die Einstellung der Schilddrüsenwerte sollte bereits vor einer Schwangerschaft überprüft werden. Positive Schilddrüsenantikörper allein bedeuten dagegen nicht automatisch, dass eine Behandlung mit Levothyroxin erforderlich ist.
Postpartale Thyreoiditis: Schilddrüsenfehlfunktion nach der Schwangerschaft
Die postpartale Thyreoiditis ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die innerhalb des ersten Jahres nach einer Geburt auftreten kann. Sie betrifft etwa 5–10 % der Frauen nach einer Schwangerschaft; bei bestimmten Risikogruppen ist sie häufiger.
Typischerweise kann zunächst eine Phase mit erhöhten Schilddrüsenhormonwerten auftreten, gefolgt von einer Phase mit Schilddrüsenunterfunktion. Nicht alle Frauen durchlaufen jedoch beide Phasen. Manche haben ausschließlich eine Über- oder eine Unterfunktionsphase.
In der frühen Phase können beispielsweise Herzklopfen, Unruhe, Schlafstörungen oder Gewichtsverlust auftreten. In der späteren Unterfunktionsphase sind Müdigkeit, Gewichtszunahme, Verstopfung, trockene Haut oder depressive Verstimmung möglich. Da einige dieser Beschwerden auch im Wochenbett häufig vorkommen, wird die Erkrankung nicht immer sofort erkannt.
Die postpartale Thyreoiditis ähnelt immunologisch der Hashimoto Thyreoiditis und ist häufig mit TPO-Antikörpern verbunden. Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt von der Phase und der Ausprägung der Beschwerden ab. Bei vielen Frauen normalisiert sich die Schilddrüsenfunktion innerhalb von 12 bis 18 Monaten wieder; bei einem Teil bleibt jedoch eine dauerhafte Schilddrüsenunterfunktion bestehen.
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