Wenn in der frühen Schwangerschaft Schmerzen oder Blutungen auftreten, kann das viele Ursachen haben. Eine davon ist die Eileiterschwangerschaft (Tubargravidität), bei der sich die Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter im Eileiter entwickelt. Sie sollte frühzeitig erkannt und behandelt werden, da es im weiteren Verlauf zu einer Ruptur des Eileiters und inneren Blutungen kommen kann.
Als Kinderwunschzentrum begleiten wir Frauen auch bei Auffälligkeiten in der frühen Schwangerschaft und bei Fragen zum weiteren Kinderwunsch. In diesem Ratgeber erklären wir, welche Anzeichen auf eine Eileiterschwangerschaft hinweisen können, wie die Diagnose gestellt und die Eileiterschwangerschaft behandelt wird und was sie für einen späteren Kinderwunsch bedeutet.
- Was ist eine Eileiterschwangerschaft?
- Typische Anzeichen einer Eileiterschwangerschaft
- Trotz Blutung schwanger?
- Diagnostik in der Frühschwangerschaft
- Behandlung einer Eileiterschwangerschaft
- Wann ist eine neue Schwangerschaft wieder möglich?
- Häufig gestellte Fragen zur zur Eileiterschwangerschaft
Was ist eine Eileiterschwangerschaft?
Bei einer Eileiterschwangerschaft nistet sich die befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutterhöhle, sondern im Eileiter ein. Sie ist damit die häufigste Form einer sogenannten extrauterinen Schwangerschaft, also einer Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter. Eileiterschwangerschaften machen etwa 1–2 % aller Schwangerschaften aus.
Das Risiko kann erhöht sein bei Frauen mit:
- Einer früheren Eileiterschwangerschaft
- Vorangegangenen Entzündungen im Beckenbereich
- Endometriose
- Früheren Chlamydieninfektionen
- Vorangegangenen operativen Eingriffen
- Rauchen
Viele Eileiterschwangerschaften entstehen aber auch ohne bekannte Risikofaktoren
Nach einer früheren Eileiterschwangerschaft ist das Wiederholungsrisiko für eine weitere Eileiterschwangerschaft erhöht. Als Größenordnung werden etwa 7–10 % angegeben; trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine normale Schwangerschaft in der Gebärmutter bei einer erneuten Schwangerschaft eintritt, deutlich höher.
Nach mehreren vorausgegangenen Eileiterschwangerschaften steigt es deutlich weiter an und kann nach zwei Eileiterschwangerschaften etwa 25–30 % oder mehr betragen.
Symptome
Typische Symptome und erste Anzeichen (5. bis 7. SSW)
Eine Eileiterschwangerschaft kann zunächst ganz ohne Beschwerden verlaufen. Symptome treten häufig erst im Verlauf der frühen Schwangerschaft auf und können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.
Mögliche Anzeichen sind:
- einseitige oder zunehmende Unterbauchschmerzen
- Schmierblutungen oder ungewöhnliche vaginale Blutungen
- Schwindel, Schwäche oder Kreislaufbeschwerden
- Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen können ebenfalls auftreten
Besonders aufmerksam sollte man bei der Kombination aus positivem Schwangerschaftstest, Schmerzen und Blutungen sein.
Wichtig: Bei Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft sollte zeitnah eine gynäkologische Abklärung erfolgen. Bei starken Schmerzen oder Kreislaufproblemen ist eine sofortige medizinische Abklärung notwendig.
Dabei gilt: „Bereits bei einem Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft, ist eine Abklärung immer sehr zeitnah wichtig.
Trotz Blutung schwanger? Warum eine Periode keine Entwarnung ist
Auch in der frühen Schwangerschaft können Blutungen auftreten. Sie können sehr unterschiedliche Ursachen haben und lassen sich anhand von Farbe oder Stärke allein nicht sicher einordnen.
Mögliche Ursachen sind zum Beispiel:
- Blutungen in einer gesunden intakten frühen Schwangerschaft
- ein kleines Hämatom
- Kontaktblutungen, etwa nach Geschlechtsverkehr
- eine beginnende Fehlgeburt
- eine Eileiterschwangerschaft
Auch bei einer Eileiterschwangerschaft können Blutungen auftreten und mit einer Menstruation verwechselt werden.
Unser Rat: Wenn Sie einen positiven Schwangerschaftstest haben und gleichzeitig Blutungen oder Schmerzen auftreten, sollten Sie zügig ärztlichen Rat einholen.
Diagnostik in der Frühschwangerschaft – wann zum Arzt?
Bei einem positiven Schwangerschaftstest und gleichzeitig auftretenden Beschwerden wie Unterbauchschmerzen oder Blutungen sollte zeitnah eine gynäkologische Abklärung erfolgen. Das gilt besonders, wenn bereits Risikofaktoren für eine Eileiterschwangerschaft bekannt sind.
Für die Diagnostik kombinieren wir den transvaginalen Ultraschall mit Verlaufskontrollen des Schwangerschaftshormons hCG. Entscheidend ist nicht ein einzelner Wert, sondern die gemeinsame Beurteilung von Beschwerden, Ultraschallbefund und hCG-Verlauf. So lässt sich meist früh erkennen, ob sich die Schwangerschaft regulär in der Gebärmutter entwickelt oder ob weitere Kontrollen notwendig sind.
Behandlung einer Eileiterschwangerschaft
Die Behandlung richtet sich nach Ihrer individuellen Situation, den Beschwerden, dem Ultraschallbefund und dem Verlauf des Schwangerschaftshormons hCG.
Abwartendes Vorgehen
Bei sehr frühen, stabilen Befunden und bereits rückläufigem hCG kann in ausgewählten Fällen zunächst engmaschig kontrolliert werden, ob sich die Schwangerschaft von selbst zurückbildet.
Medikamentöse Behandlung mit Methotrexat
Bei einer sicher diagnostizierten, nicht rupturierten Eileiterschwangerschaft kann unter bestimmten Voraussetzungen Methotrexat eingesetzt werden. Das Medikament hemmt die weitere Entwicklung des Schwangerschaftsgewebes. Anschließend sind regelmäßige hCG-Kontrollen notwendig.
Operative Behandlung
Eine Operation ist insbesondere bei starken Schmerzen, Kreislaufinstabilität, Verdacht auf eine Ruptur oder bei bestimmten Ultraschallbefunden notwendig. Wenn möglich, erfolgt der Eingriff minimalinvasiv im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie).
Wann ist eine neue Schwangerschaft wieder möglich?
Nach einer Eileiterschwangerschaft ist in den meisten Fällen eine erneute Schwangerschaft möglich. Wann Sie wieder versuchen können, schwanger zu werden, hängt davon ab, wie die Eileiterschwangerschaft behandelt wurde und wie gut Sie sich körperlich und emotional erholt haben.
Nach einer Behandlung mit Methotrexat wird empfohlen, mindestens drei Monate bis zu einer erneuten Schwangerschaft zu warten. Methotrexat greift in den Folsäurestoffwechsel ein und kann eine frühe Schwangerschaft schädigen.
Nach einer operativen Behandlung richtet sich der empfohlene Abstand nach dem Heilungsverlauf und Ihrer individuellen Situation.
HyCoSy-Untersuchung
Nach einer Eileiterschwangerschaft kann es bei erneutem Kinderwunsch sinnvoll sein, die Durchgängigkeit der Eileiter zu überprüfen – insbesondere wenn Risikofaktoren für eine Schädigung der Eileiter bestehen oder die Schwangerschaft länger auf sich warten lässt.
Mit einer HyCoSy/HyFoSy-Untersuchung lässt sich schonend und ohne Röntgenstrahlung beurteilen, ob ein oder beide Eileiter durchgängig sind. Die Untersuchung erfolgt per Ultraschall und kann in der Regel ohne Narkose durchgeführt werden.
Wichtig ist: Die HyCoSy zeigt, ob ein Eileiter offen ist, sie kann jedoch nicht zuverlässig beurteilen, wie gut seine Funktion tatsächlich ist oder ob feinere Veränderungen der Eileiterschleimhaut bestehen.
Gut begleitet bei erneutem Kinderwunsch
Nach einer Eileiterschwangerschaft entstehen häufig Fragen zur weiteren Familienplanung und zu einer möglichen erneuten Schwangerschaft. In unserem Kinderwunschzentrum nehmen wir uns Zeit, Ihre Vorgeschichte und vorhandene Befunde einzuordnen und zu besprechen, welche Untersuchungen oder nächsten Schritte sinnvoll sein können.
Unsere erfahrenen Kinderwunschärztinnen beraten Sie verständlich und persönlich – mit Blick auf Ihre medizinische Situation und Ihre Fragen.
Häufige Fragen zur Eileiterschwangerschaft
Wann bemerkt man eine Eileiterschwangerschaft?
Eine Eileiterschwangerschaft kann zunächst ganz ohne Beschwerden verlaufen. Symptome treten häufig erst im Verlauf der frühen Schwangerschaft auf. Typische Hinweise sind einseitige Unterbauchschmerzen, vaginale Blutungen oder Schmierblutungen, Kreislaufbeschwerden.oder ein auffälliger HCG-Verlauf.
Wer hat ein erhöhtes Risiko für eine Eileiterschwangerschaft?
Das Risiko ist unter anderem erhöht nach einer früheren Eileiterschwangerschaft, bei vorausgegangenen Entzündungen oder Operationen an den Eileitern, Endometriose, IVF/ICSI, Rauchen und mit zunehmendem Alter. Wichtig ist jedoch: Auch ohne bekannte Risikofaktoren kann eine Eileiterschwangerschaft auftreten.
Wie sieht eine Blutung bei einer Eileiterschwangerschaft aus?
Die Blutung kann sehr unterschiedlich sein. Von einer leichter Schmierblutung bis zu einer menstruationsähnlichen Blutung. Anhand von Farbe oder Stärke lässt sich die Ursache nicht sicher erkennen. Sie kann mit oder ohne begleitende Schmerzen auftreten und sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Ab wann ist eine Eileiterschwangerschaft gefährlich?
Gefährlich wird eine Eileiterschwangerschaft vor allem dann, wenn es zu einer inneren Blutung oder Ruptur des Eileiters kommt. Warnzeichen sind plötzlich starke Schmerzen, ausgeprägter Schwindel oder Kreislaufprobleme. Eine sofortige medizinische Abklärung ist notwendig.
Wie hoch ist das hCG bei einer Eileiterschwangerschaft?
Es gibt keinen typischen einzelnen hCG-Wert, an dem sich eine Eileiterschwangerschaft sicher erkennen lässt. Entscheidend sind der Verlauf des hCG, der Ultraschallbefund und die Beschwerden. Auch bei niedrigen oder fallenden hCG-Werten kann eine Eileiterschwangerschaft vorliegen.
Kann man in der 5. SSW eine Eileiterschwangerschaft ausschließen?
Nicht immer. In der 5. Schwangerschaftswoche kann es noch zu früh sein, die Lage der Schwangerschaft sicher im Ultraschall zu beurteilen. Bei unklarem Befund helfen Verlaufskontrollen mit transvaginalem Ultraschall und hCG.
Kann sich eine Eileiterschwangerschaft von selbst zurückbilden?
Ja. Bei sehr frühen Befunden, geringen Beschwerden und rückläufigem hCG kann sich eine Eileiterschwangerschaft in manchen Fällen von selbst zurückbilden. Dann ist ein engmaschig kontrolliertes abwartendes Vorgehen möglich.
Wie hoch ist das Wiederholungsrisiko?
Nach einer Eileiterschwangerschaft ist das Risiko für eine erneute Eileiterschwangerschaft erhöht und liegt ungefähr im Bereich von 7–10 %. Nach mehreren vorausgegangenen Eileiterschwangerschaften steigt es deutlich weiter an und kann nach zwei Eileiterschwangerschaften etwa 25–30 % oder mehr betragen.
Kann man nach einer Eileiterschwangerschaft wieder schwanger werden?
Ja. In den meisten Fällen ist eine erneute Schwangerschaft möglich. Je nach Vorgeschichte und Kinderwunsch kann es sinnvoll sein, vor einer weiteren Schwangerschaft die Eileiterdurchgängigkeit, zum Beispiel mit einer HyCoSy/HyFoSy, zu überprüfen.
Kann eine Eileiterschwangerschaft trotz normal steigendem hCG vorliegen?
Ja. Auch ein zunächst unauffälliger hCG-Anstieg schließt eine Eileiterschwangerschaft nicht sicher aus. Die Lage der Schwangerschaft wird letztlich durch Ultraschall und Verlauf beurteilt.
Sieht man eine Eileiterschwangerschaft im Ultraschall?
Häufig lässt sich die Diagnose im transvaginalen Ultraschall stellen. Sehr früh kann die Lage der Schwangerschaft jedoch noch unklar sein. Dann sind Verlaufskontrollen notwendig.
Muss eine Eileiterschwangerschaft immer operiert werden?
Nein. Je nach Befund kommen ein abwartendes Vorgehen, eine Behandlung mit Methotrexat oder eine Operation infrage. Die Entscheidung richtet sich nach Beschwerden, Kreislaufstabilität, Ultraschallbefund und hCG-Verlauf.
