Bei einer testikulären Spermienextraktion (TESE) werden Spermien direkt aus dem Hodengewebe gewonnen. Das Verfahren kann bei Kinderwunsch infrage kommen, wenn im Ejakulat keine Spermien nachweisbar sind (Azoospermie), im Hoden jedoch Spermien gebildet werden beziehungsweise gefunden werden können.
Die gewonnenen Spermien können anschließend für eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) verwendet und bei Bedarf kryokonserviert werden. Ob eine TESE sinnvoll ist, hängt von der Ursache der Azoospermie und den vorausgehenden Untersuchungen ab.
- Was ist eine TESE?
- Wann ist die TESE sinnvoll?
- Ablauf der TESE-Behandlung in München
- TESE oder Mikro-TESE: Was ist der Unterschied?
- Wie hoch sind die Erfolgsraten bei TESE und ICSI?
- Wie geht es nach einer erfolgreichen TESE weiter?
- Häufig gestellte Fragen zur testikulären Spermienextraktion
Was ist eine TESE?
Bei der TESE werden über einen kleinen operativen Eingriff Gewebeproben aus dem Hoden entnommen und anschließend im Labor nach Spermien untersucht. Der Eingriff wird in der Regel von spezialisierten Urologen oder Andrologen durchgeführt.
Eine TESE kommt insbesondere bei einer Azoospermie infrage, wenn trotz wiederholter Untersuchung keine Spermien im Ejakulat nachweisbar sind. Dabei wird zwischen einer obstruktiven Azoospermie, bei der die Samenwege blockiert oder nicht angelegt sind, und einer nicht-obstruktiven Azoospermie (NOA), bei der die Spermienproduktion im Hoden eingeschränkt ist, unterschieden.
Werden bei der TESE Spermien gefunden, können diese für eine Kinderwunschbehandlung mittels ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) verwendet und gegebenenfalls für eine spätere Behandlung eingefroren werden.
Wann ist die TESE sinnvoll?
Ob eine TESE sinnvoll ist, hängt vor allem von der Ursache der Azoospermie ab.
Bei einer obstruktiven Azoospermie werden Spermien im Hoden gebildet, können jedoch aufgrund eines Verschlusses oder fehlender Samenwege nicht in das Ejakulat gelangen. Mögliche Ursachen sind beispielsweise:
- eine frühere Vasektomie,
- angeboren fehlende Samenleiter, beispielsweise im Zusammenhang mit bestimmten CFTR-Genvarianten,
- andere Verschlüsse der Samenwege.
Bei einer nicht-obstruktiven Azoospermie ist dagegen die Spermienproduktion im Hoden selbst stark eingeschränkt. In einzelnen Bereichen des Hodengewebes können dennoch Spermien vorhanden sein. In diesen Fällen kommt insbesondere eine Mikro-TESE zur Spermiengewinnung infrage.
Auch bei einer erhöhten DNA-Fragmentation der Spermien wird der Einsatz testikulärer Spermien wissenschaftlich untersucht. Eine TESE allein aufgrund einer erhöhten DNA-Fragmentation ist jedoch keine Standardbehandlung und sollte nur nach individueller ärztlicher Abwägung erfolgen.
Vor einer TESE ist eine sorgfältige andrologische Abklärung wichtig. Eine Azoospermie sollte durch mindestens zwei Spermiogramme bestätigt werden. Je nach Befund gehören auch eine körperliche Untersuchung, Hormonwerte, eine Ultraschalluntersuchung der Hoden sowie genetische Untersuchungen zur Diagnostik.
Ablauf der TESE-Behandlung in München
Die TESE wird in Kooperation mit einem erfahrenen Urologen bzw. Andrologen in einem spezialisierten Zentrum in München durchgeführt. Vor dem Eingriff erfolgt eine umfassende andrologische Diagnostik, um die Ursache abzuklären und zu beurteilen, welches Verfahren zur Spermiengewinnung geeignet ist. Die TESE wird in der Regel ambulant durchgeführt.
Vor dem Eingriff werden die notwendigen Voruntersuchungen durchgeführt und der Ablauf der Operation besprochen. Die TESE erfolgt bei unserem Kooperationspartner in der Regel unter einer kurzen Vollnarkose.
Die Hodenhülle wird vorsichtig eröffnet und es werden kleine Gewebeproben aus dem Hoden entnommen. Je nach Befund und Vordiagnostik können an einer oder an beiden Seiten Proben entnommen werden. Das gewonnene Hodengewebe wird anschließend im Labor auf das Vorhandensein von Spermien untersucht.
Werden Spermien im entnommenen Hodengewebe gefunden, werden diese anschließend in mehreren Halmen kryokonserviert und können für eine spätere ICSI-Behandlung verwendet werden.
Nach dem Eingriff ist zunächst eine kurze Überwachung erforderlich. In den ersten Tagen können Schmerzen, Schwellungen oder Blutergüsse im Bereich des Hodens auftreten. Körperliche Belastungen sollten in den folgenden Tagen vermieden werden. Kühlende Maßnahmen können helfen, Beschwerden und Schwellungen zu lindern.
TESE oder Mikro-TESE: Was ist der Unterschied?
Bei der Mikro-TESE (micro-TESE) wird das Hodengewebe mithilfe eines Operationsmikroskops untersucht. Dadurch können gezielt Samenkanälchen identifiziert und entnommen werden, in denen die Wahrscheinlichkeit für das Vorhandensein von Spermien höher ist. Gleichzeitig kann die Menge des entnommenen Hodengewebes reduziert werden.
Das Verfahren kommt insbesondere infrage, wenn die Spermienproduktion im Hoden stark eingeschränkt und möglicherweise nur in einzelnen Bereichen erhalten ist. Aktuelle Leitlinien zur männlichen Infertilität sehen die Mikro-TESE bei nicht-obstruktiver Azoospermie als bevorzugtes Verfahren zur operativen Spermiengewinnung.
Auch nach einer erfolglosen konventionellen TESE kann eine Mikro-TESE in ausgewählten Fällen noch Spermien finden. Studien zeigen außerdem Hinweise auf Vorteile bei bestimmten histologischen Befunden wie dem Sertoli-Cell-Only-Syndrom (SCO). Eine erfolgreiche Spermiengewinnung lässt sich jedoch auch mit der Mikro-TESE nicht garantieren.
Wie hoch sind die Erfolgsraten bei TESE und ICSI?
Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, bei einer TESE Spermien zu finden, hängt wesentlich von der zugrunde liegenden Ursache ab. Bei stark eingeschränkter Spermienproduktion können die Chancen einer Spermiengewinnung deutlich variieren und lassen sich vor dem Eingriff nur begrenzt vorhersagen.
Werden Spermien gewonnen, können diese für eine ICSI-Behandlung verwendet werden. Die Chancen auf eine Schwangerschaft und Lebendgeburt hängen anschließend von verschiedenen Faktoren ab – insbesondere vom Alter und der Fruchtbarkeit der Partnerin sowie von weiteren individuellen Voraussetzungen des Paares. Deshalb besprechen wir die Erfolgsaussichten einer TESE und der anschließenden ICSI individuell im Rahmen der Kinderwunschbehandlung.
Wie geht es nach einer erfolgreichen TESE weiter?
Werden bei der TESE Spermien gefunden, können diese kryokonserviert und für eine spätere ICSI-Behandlung aufbewahrt werden. Bei der ICSI wird jeweils eine Samenzelle direkt in eine Eizelle eingebracht.
Durch die Kryokonservierung müssen Spermiengewinnung und Kinderwunschbehandlung nicht zum selben Zeitpunkt stattfinden. Sind ausreichend geeignete Spermien vorhanden, können die eingefrorenen Proben gegebenenfalls auch für weitere Behandlungsversuche verwendet werden.
Die weitere Kinderwunschbehandlung planen wir individuell anhand der vorhandenen Proben und der medizinischen Voraussetzungen beider Partner.
Häufige Fragen zur TESE
Wie lange dauert die Heilung nach einer TESE?
Schmerzen, Schwellungen oder Blutergüsse können in den ersten Tagen nach dem Eingriff auftreten und klingen meist nach einigen Tagen ab. Bis die Wunde vollständig verheilt ist, kann es etwa ein bis zwei Wochen dauern. Wie lange körperliche Schonung erforderlich ist, hängt vom individuellen Heilungsverlauf und dem durchgeführten Eingriff ab.
Ist die TESE schmerzhaft?
Die TESE wird unter Anästhesie durchgeführt, sodass während des Eingriffs in der Regel keine Schmerzen wahrgenommen werden. Nach dem Eingriff können Schmerzen im Bereich des Hodens sowie Schwellungen oder Blutergüsse auftreten. Wie stark die Beschwerden sind, ist individuell unterschiedlich. Kühlung, körperliche Schonung und bei Bedarf Schmerzmittel können helfen, die Beschwerden zu lindern.
Wann sind die Ergebnisse der Spermienuntersuchung verfügbar?
Ob in den entnommenen Gewebeproben Spermien gefunden wurden, erfahren Sie in der Regel noch am Tag des Eingriffs.
Wer trägt die Kosten für die testikuläre Spermienextraktion?
Ob die Kosten einer TESE von der Krankenversicherung übernommen werden, hängt von der individuellen Versicherungssituation und den medizinischen Voraussetzungen ab. Privat Versicherte sollten die Kostenübernahme vor dem Eingriff mit ihrer Versicherung klären. Auch gesetzlich Versicherte sollten sich vorab bei ihrer Krankenkasse erkundigen, welche Kosten im konkreten Fall übernommen werden.
Was passiert, wenn bei der TESE keine Spermien gefunden werden?
Werden bei der TESE keine Spermien gefunden, können die gewonnenen Proben nicht für eine ICSI verwendet werden. Wie es anschließend weitergeht, hängt von der Ursache der Azoospermie, dem durchgeführten Verfahren und den bisherigen Befunden ab. In ausgewählten Fällen können weitere Untersuchungen oder eine erneute operative Spermiengewinnung, beispielsweise mittels Mikro-TESE, infrage kommen. Die weiteren Möglichkeiten sollten individuell mit dem behandelnden Urologen bzw. Andrologen und dem Kinderwunschzentrum besprochen werden.
Wie oft kann man eine TESE machen?
Eine TESE kann grundsätzlich wiederholt werden. Ob und wann ein weiterer Eingriff sinnvoll ist, hängt jedoch von der Ursache der Azoospermie, den bisherigen Befunden und dem Ergebnis vorheriger Spermiengewinnungen ab. Da bei jedem Eingriff Hodengewebe entnommen wird und Komplikationen wie Blutergüsse oder Veränderungen des Hodengewebes auftreten können, sollte eine erneute TESE individuell mit dem behandelnden Urologen bzw. Andrologen abgewogen werden.
