Endometriose und Kinderwunsch

Endometriose und Kinderwunsch: Kann ich schwanger werden?

30. Oktober 2021 von Dr. med. Corinna Mann

Rund 5 bis 15 Prozent der Frauen im fruchtbaren Alter haben Endometriose. Die Diagnose trifft besonders Frauen, die sich noch ihren Kinderwunsch erfüllen möchten. Unsere Kinderwunschärztin Frau Dr. Mann beantwortet im folgenden Text häufige Fragen betroffener Frauen.

Inhalt:

Kann man trotz Endometriose schwanger werden?

Was können Patientinnen tun, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen?

Haben Frauen mit Endometriose ein höheres Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft?

Was können Frauen mit Adenomyose und Kinderwunsch tun?

 

 

Endometriose und Kinderwunsch: Das Wichtigste in Kürze


Bei Endometriose wächst Gewebe der Gebärmutter zum Beispiel in den Bauchraum oder in die Eierstöcke. Mögliche Folgen sind Verwachsungen und Entzündungen. Aber es können auch gar keine Symptome auftreten.

Frauen mit Endometriose können grundsätzlich schwanger werden, ihre Fruchtbarkeit ist jedoch um 50 Prozent verringert. Mit etwas Geduld oder einer Kinderwunschbehandlung können sich viele schließlich doch ihren Kinderwunsch erfüllen.

Die Patientinnen haben ein größeres Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft. Das Risiko für eine Fehlgeburt ist um 75 Prozent erhöht.

Wächst das Gewebe aus der Gebärmutterschleimhaut in die Gebärmutterwand ein, spricht man von einer Adenomyose. Hier ist die Fruchtbarkeit zwar noch weiter eingeschränkt, aber auch diese Frauen können grundsätzlich schwanger werden.

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Kann man trotz Endometriose schwanger werden?

Viele Endometriose-Patientinnen befürchten, dass sich ihr Kinderwunsch nicht erfüllen wird. Zwar sind Endometriose-Patientinnen häufiger unfruchtbar als der Durchschnitt, aber viele Frauen werden trotz der Erkrankung schwanger. Von Unfruchtbarkeit spricht man erst, wenn 12 Monate lang trotz regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eintritt.

  • Wie hoch ist die Chance,mit Endometriose schwanger zu werden?

    Bei einer Frau mit Endometriose verringert sich die Fruchtbarkeit etwa um die Hälfte. Laut Statistik bedeutet das für den Kinderwunsch: Bei einer 22- bis 23-jährigen Endometriose-Patientin beträgt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, 12,5 bis 15 Prozent. Bei einer gesunden Frau dieser Altersklasse sind es 25 bis 30 Prozent.

    12,5 bis 15 Prozent beträgt in etwa die Schwangerschaftsrate einer gesunden 35-Jährigen. Eine 35-Jährige mit Endometriose wiederum hat pro Zyklus eine Wahrscheinlichkeit von 6,25 bis 7,5 Prozent, schwanger zu werden. Bei einer gesunden Über-40-Jährigen beträgt die Schwangerschaftsrate pro Zyklus 5 bis 8 Prozent, mit Endometriose verringert sich die Wahrscheinlichkeit auf 2,5 bis 4 Prozent.

  • Warum kann Endometriose die Fruchtbarkeit beeinträchtigen?

    Bei Frauen mit der Diagnose „Endometriose“ wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter, zum Beispiel im Bauchraum oder im Eierstock. Die Endometrioseherde sind zwar gutartig, können aber starke Schmerzen, Entzündungen, Zysten und Verwachsungen auslösen. Sie können ein mechanisches Hindernis für den Eintritt einer Schwangerschaft darstellen. Auch Frauen mit mildem Endometriose-Verlauf und wenigen Verklebungen können unfruchtbar sein. Warum das so ist, ist bislang unklar. Eine mögliche Erklärung sind Entzündungsprozesse im Bauchraum, die die Eizellqualität beeinträchtigen können. Häufig ist außerdem die Eizellreserve verringert. Das bedeutet: Betroffene Frauen haben weniger Eizellen und kommen schneller in die Wechseljahre.

     Die Größe der Wucherungen sagt übrigens nicht zwangsläufig etwas über die Fruchtbarkeit der Betroffenen aus. Bereits kleine Endometrioseherde können zu Unfruchtbarkeit führen, während auch große Verklebungen symptomlos bleiben können. Endometriose kann zu Unfruchtbarkeit führen, ist aber nicht damit gleichzusetzen.

Chance, mit Endometriose schwanger zu werden

Was können Endometriose-Patientinnen tun, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen?

  • 1. Arzt aufsuchen

    Es ist sinnvoll, sich für die weitere Abklärung der Diagnose sofort an ein Kinderwunschzentrum zu wenden. Dort wird geklärt, ob die Endometriose wirklich der Grund für die Unfruchtbarkeit ist, was nicht immer der Fall sein muss. Außerdem ist es möglich, dass die Endometriose nur ein Fruchtbarkeitshemmnis von vielen ist. Zusätzlich möglich wären etwa ein veränderter Hormonhaushalt und eine eingeschränkte Spermienqualität des Mannes. Tatsächlich treten häufig mehrere Faktoren gleichzeitig auf. So ist bei einem Drittel der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch die Fruchtbarkeit beider Partner eingeschränkt. Je mehr Faktoren zusammenkommen und desto unwahrscheinlicher eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege ist, desto schneller sollte die Therapie beginnen. Gerade über 35-jähige Endometriose-Patientinnen sollten keine wertvolle Zeit verlieren, nimmt die Fruchtbarkeit doch mit zunehmenden Alter immer weiter ab.

  • 2. Zyklus beobachten oder Behandlung beginnen

    Gerade bei jüngeren Patientinnen muss es nicht gleich eine umfassende Therapie mit künstlicher Befruchtung sein. Je nach Ausgangslage kann es reichen, erst einmal den Zyklus zu beobachten. Die Identifikation der fruchtbaren Tage und zeitlich günstiger Geschlechtsverkehr erhöhen die Chancen auf eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg.

    Bei älteren Patientinnen gilt es, möglichst wenig Zeit zu verlieren. Hier raten wir schneller zu einer Therapie wie der IVF. Dasselbe gilt auch für Frauen, deren Eileiter nicht mehr durchlässig sind. Ist der Weg zwischen Eierstöcken und Gebärmutter verbaut, ist eine künstliche Befruchtung die einzige Möglichkeit, doch noch eine Schwangerschaft herbeizuführen. Über die Kosten der künstlichen Befruchtung können sich Endometriose-Patientinnen hier informieren.

    Übrigens ist die Einnistung der Eizelle bei meisten Patientinnen kein Problem. Das legt eine Studie nahe, die mit Eizellspenderinnen durchgeführt wurde. Wurden die Eizellen gesunder Frauen Endometriose-Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch eingepflanzt, verschlechterte sich die Wahrscheinlichkeit einer Einnistung nicht. Ganz anders waren die Ergebnisse, wenn die Spenderin Endometriose hatte und die Empfängerin nicht. In diesem Fall war die Einnistung der Eizellen deutlich schlechter. Das zeigt: Die Qualität der Eizelle ist bei Endometriose-Patientinnen ein Problem, aber nicht die Einnistung in der Gebärmutter.
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  • 3. Gesund leben: Ernährungstipps & Hausmittel für Endometriose-Patientinnen mit Kinderwunsch

    Verschiedene Nährstoffe stehen gerade in der Diskussion, sich möglicherweise positiv auf die Eizellqualität auszuwirken. Dazu gehören Vitamin D, Coenzym 10 und Folsäure. Tatsächlich haben wir in unserer Kinderwunschpraxis ähnliche Erfahrungen gemacht: Wenn wir mehrere IVF-Behandlungen bei einer Endometriose-Patientin durchführen, die zwischenzeitlich ihre Nährstoffversorgung anpasst, sehen wir manchmal Verbesserungen. Es könnte sich also lohnen, seine Ernährung vor der Schwangerschaft zu optimieren. Sinnvoll ist auch, das Rauchen aufzuhören, da sich Tabakkonsum negativ auf die Eizellreserve auswirkt. Vermeiden Sie außerdem Unter- und Übergewicht, lassen Sie Allgemeinerkrankungen behandeln und treiben Sie regelmäßig Sport. All das trägt dazu bei, fit für die Schwangerschaft zu werden.

  • 4. Endometriose behandeln

    Die operative Entfernung der Verwachsungen ist eine Möglichkeit, die Erkrankung zu beseitigen. Aber nicht jede Frau braucht eine Operation. Sie ist vor allem bei schwerer Endometriose angezeigt, um die Symptome zu lindern und die Fruchtbarkeit zu erhöhen. Wenn die Eierstöcke nicht im Operationsgebiet liegen und die Verwachsungen ganz entfernt werden, könnten sich die Voraussetzungen für eine Schwangerschaft verbessern. Von Vorteil ist auch, dass die chronische Entzündung abebbt und damit ein Stressor verschwindet, der die natürliche Empfängnis erschweren kann. Anders sieht es bei Frauen aus, die sich für Social Freezing interessieren. Hier werden in jungen Jahren Eizellen eingefroren, um sie dann mit Ende 30 oder Anfang 40 für eine Schwangerschaft zu nutzen. In diesem Fall ist eine Operation nicht sinnvoll, da die Eierstöcke ohne OP wohl mehr Eizellen produzieren.

Dr. med. Corinna Mann

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Wie viele Frauen werden nach der Endometriose-OP schwanger?

Dieser Frage ging eine Studie aus Frankreich nach, bei der 55 Patientinnen mit tief sitzenden Endometrioseherden teilnahmen. Sie waren alle im selben Alter und waren beim selben Arzt in Behandlung. 36 von ihnen wünschten sich ein Kind. Tatsächlich kam es zu 29 Geburten in den nächsten Jahren. Selbst bei 74 Prozent der Frauen klappte es, die zuvor mindestens ein Jahr lang vergeblich versucht hatten, schwanger zu werden. Etwa bei der Hälfte trat die Schwangerschaft auf natürlichem Weg ein, bei der anderen infolge einer Kinderwunschbehandlung. Junges Alter, Normalgewicht und ein geringer Schweregrad der Endometriose begünstigen den Eintritt der Schwangerschaft, so eine weitere Studie.

Haben Frauen mit Endometriose ein höheres Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft?

Betroffene bringen laut einer Studie häufiger kleine und untergewichtige Kinder auf die Welt. Die Neugeboren kommen außerdem öfter zu früh. Außerdem haben die Patientinnen einer großen Studie zufolge ein 75 Prozent höheres Fehlgeburtenrisiko. Das Risiko für eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter war dreimal so hoch wie bei Frauen ohne Endometriose. Die Ursache für diese Komplikationen könnten Entzündungen im Bauchraum und Veränderungen der Gebärmutter sein.

Was können Frauen mit Adenomyose und Kinderwunsch tun?

Bei einer Adenomyose handelt es sich quasi um eine Endometriose in der Gebärmutterwand. Hier wächst Gewebe aus der Gebärmutterschleimhaut in das Muskelgewebe der Gebärmutter ein. Die Einnistung der Eizelle ist nun deutlich erschwert. Ohne Adenomyose beträgt die Wahrscheinlichkeit der Einnistung 40 Prozent, mit Adenomyose nur 20. Dennoch haben auch die betroffenen Frauen eine Chance, schwanger zu werden.

Eine Operation ist in der Regel nicht möglich, da es sich meist um diffus wachsendes Gewebe handelt, das schwer zu entfernen ist. Außerdem besteht das Risiko, die Gebärmutter bei der OP zu verletzen. Nur in Einzelfällen, wenn ein gut abgrenzbarer einzelner Herd entfernt werden muss, macht eine Operation Sinn.

Eine Hormontherapie ist eventuell eine Alternative. Sie kann das Adenom womöglich verkleinern, was wiederum die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen könnte.

Ist die Schwangerschaft schließlich eingetreten, ist die Fehlgeburtenrate signifikant höher als bei gesunden Frauen. Betroffene sollten sich daher besonders an die Handlungsempfehlungen halten, die allen Schwangeren ans Herz gelegt werden.

  • Dazu gehört etwa:
    - das Rauchen einstellen
    - Kaffeekonsum auf zwei Tassen pro Tag reduzieren
    - möglichst auf Alkohol verzichten
    - regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen gehen

Das Fehlgeburtsrisiko lässt sich so zumindest etwas reduzieren. Auch wenn Frauen mit Endometriose oder Adenomyose in der Kinderwunschzeit vor Herausforderungen stehen, möchten wir allen Betroffenen Mut zusprechen. Manche werden auf natürlichem Weg schwanger, andere mit fachärztlicher Hilfe. Zögern Sie nicht, sich Hilfe zu holen, und bleiben Sie am Ball!

Ihr Kinderwunsch gehört in erfahrene Hände

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