Räumlichkeiten der Kinderwunschklinik München

Schilddrüse & Schwangerschaft: Was der TSH-Wert aussagt

6. April 2021 von Dr. med. Corinna Mann

Was sagt der TSH-Wert aus?


Wer von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen ist, denkt meist sofort an Ursachen im Unterleib. Dabei kann der unerfüllte Kinderwunsch auch mit der Schilddrüse zusammenhängen. Wer nach sechs Monaten Kinderwunsch nicht schwanger ist, sollte auf jeden Fall auch die Schilddrüse untersuchen lassen, um mögliche Ursachen für die Kinderlosigkeit abzuklären. Die Schilddrüse ist ein kleines Organ, das aber über die gebildeten Hormone eine Vielzahl von Körperfunktionen beeinflusst und unter anderem auch eine entscheidende Rolle für die Fruchtbarkeit und damit für die Möglichkeit, schwanger zu werden, spielt. Die Steuerhormone der Schilddrüse beeinflussen die Eizellreifung und den Ablauf des weiblichen Zyklus. Liegt ein Ungleichgewicht der Hormone durch eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) vor, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft. Der sogenannte TSH-Wert wird als erster Wert über eine Blutabnahme gemessen.

 

TSH-Wert der Frau: Ab wann besteht eine Hypothyreose?


TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon und wird in der Hirnanhangsdrüse gebildet. Es ist das erste übergeordnete Steuerhormon der Schilddrüse. Wenn die Spiegel der Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und das Vorläuferhormon T4 (Tetrajodthyronin, Thyroxin) zu niedrig sind, wird TSH vermehrt ausgeschüttet. Kontrolliert wird dieser Regelkreis durch das TRH (Thyreotropin Releasing Hormone), das im übergeordneten Hypothalamus produziert wird.

Das ausgeschüttete TSH führt dann zu einer vermehrten Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4.

Um festzustellen, ob die Schilddrüse normal arbeitet, wird zunächst der TSH-Wert im Blut gemessen. Dieser verändert sich im Laufe des Lebens. Entsprechend gibt es einen Normalbereich für die TSH-Konzentration im Blut, der anzeigt, ob die Schilddrüse normal funktioniert oder ob eine Über- bzw. Unterfunktion vorliegt. Bei Erwachsenen sind die Normwerte: 0,27 - 4,2 µlU/ml. In der Schwangerschaft wird allerdings ein TSH < 2,5 µlU/ml empfohlen. Auch bei Kinderwunsch wird ein TSH-Wert < 2,5 µlU/ml angestrebt. Bei einem Kinderwunsch ist zudem die Analyse der Schilddrüsenantikörper wichtig. Die wichtigsten Antikörper sind:

MAK (mikrosomale Antikörper) oder auch häufiger: TPO-Antikörper genannt, TRAK

TAK (Thyreoglobulin-Antikörper)

TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper)

Hierbei ist die Bestimmung der TPO-Antikörper bei jungen Frauen mit Kinderwunsch am relevantesten. Die TPO-Antikörper sind hauptsächlich bei der vergleichsweise häufigen Hashimoto-Thyreoiditis erhöht. 5 % der Bevölkerung haben eine Hashimoto Thyreoiditis, hierbei sind Frauen ca. 10 x häufiger betroffen. Die Erkrankung beginnt meistens zwischen dem 30. – 50. Lebensjahr.

Nach den neuesten Empfehlungen wird folgendes Vorgehen bezüglich TSH bei Kinderwunsch empfohlen (Poppe et al. 2020): Bei einem TSH Wert von über 4,2 µlU/ml wird zu einer Behandlung mit Schilddrüsenhormonen geraten. Bei einem TSH-Wert von > 2,5 – 4,2 µlU/ml wird eine Behandlung eigentlich nur empfohlen, wenn Schilddrüsenantikörper (TPO-Antikörper) vorliegen. Wenn keine Antikörper vorliegen und der TSH-Wert unter 4,2 µlU/ml ist, kann auf eine Schilddrüsenhormongabe auch verzichtet werden. Häufig werden dennoch schon in Vorbereitung auf eine Schwangerschaft Schilddrüsenhormone gegeben und der TSH-Wert wird <2,5 µlU/ml eingestellt.

Gut zu wissen: Bei allen in Deutschland neugeborenen Kindern wird bereits wenige Tage nach der Geburt der TSH-Wert gemessen, um die Schilddrüsenfunktion zu überprüfen.

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Hypothyreose und latente Schilddrüsenunterfunktion: Therapien & Behandlungsmöglichkeiten


Eine Schilddrüsenunterfunktion kann nicht grundlegend geheilt werden. Allerdings kann die Schilddrüsenfunktion durch die Gabe von dem Schilddrüsenhormon L-Thyroxin, das bei einer Schilddrüsenunterfunktion von dem Körper nicht ausreichend gebildet wird, unterstützt und so behandelt werden. L-Thyroxin wird in der richtigen Wirkstärke in der Regel sehr gut vertragen. Manchmal kann es allerdings einige Monate dauern, bis die optimale Dosis gefunden ist.

In der Schwangerschaft kann problemlos weiter eingenommen werden. In der Schwangerschaft ändert sich der Bedarf an Schilddrüsenhormonen, so dass hier regelmäßige Kontrollen und häufig eine Dosisanpassung durchgeführt werden sollten.

Frauen mit Kinderwunsch, die bereits wissen, dass sie an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, sollten vor der geplanten Schwangerschaft überprüfen lassen, ob die Medikation gut eingestellt ist.

Gerne klären wir, ob eine Erkrankung der Schilddrüse vorliegt.

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Dr. med. Corinna Mann betreut. 

Ursachen für einen niedrigen oder hohen TSH-Wert


Weicht der TSH-Spiegel vom Normalbereich ab, liegt eine Schilddrüsenunterfunktion bzw. -überfunktion vor. Ein niedriger TSH-Wert korreliert mit einer Schilddrüsenüberfunktion. Dabei ist meist die Schilddrüse selbst von einer Störung betroffen und produziert mehr Hormone als notwendig wären. Auslöser hierfür können sein:

Autonomie der Schilddrüse

Schilddrüsenknoten

Morbus Basedow

Bei letzterem handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Der Körper bekämpft dabei die Schilddrüse irrtümlich mit Antikörpern, die an die Zellen der Schilddrüse binden. Die Schilddrüse reagiert darauf mit verstärkter Hormonbildung. Morbus Basedow manifestiert sich nicht nur in der Schilddrüse, sondern auch in anderen Organen.

Ein erhöhter TSH-Wert deutet hingegen auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin. Als einer der häufigsten Auslöser für eine Hypothyreose gilt die Hashimoto-Thyreoiditis.

Gut zu wissen: Eine Unterfunktion der Schilddrüse sollte unbedingt behandelt werden, um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.

                                                                      Sie möchten noch mehr erfahren? Hier geht es zu Teil 2 des Videos.

Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion


Nicht nur für den Eintritt einer Schwangerschaft und die Fruchtbarkeit ist eine gute Schilddrüsenfunktion wichtig, sondern auch für die gesunde Entwicklung des Kindes ist die mütterliche Schilddrüse sehr relevant. Eine Unterfunktion sollte daher im besten Fall bereits vor der Schwangerschaft festgestellt und behandelt werden. Erste Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion können sein:

Müdigkeit

trockene Haut

Verstopfung

Muskelschmerzen

vermehrtes Frieren

Verminderung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit

Gut zu wissen: Auch wer keinen aktuellen Kinderwunsch hegt, sollte eine Hypothyreose in jedem Fall behandeln lassen.

Hashimoto Thyreoiditis und Kinderwunsch


Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronische Schilddrüsenentzündung. Das eigene Immunsystem greift das Schilddrüsengewebe an und schädigt die Zellen nach und nach. Häufig besteht zunächst vorübergehend eine Schilddrüsenüberfunktion, die dann in eine Schilddrüsenunterfunktion übergeht. Die Hashimoto Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, die häufig zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie z.B. Typ I Diabetes oder Vitiligo vergesellschaftet ist. Gehäuft tritt eine Hashimoto Thyreoiditis auch bei Frauen mit PCO-Syndrom auf.

Bei Frauen mit Hashimoto Thyreoiditis ist unerfüllter Kinderwunsch signifikant häufiger als in der restlichen Bevölkerung (Quintino-Moro et al. 2014). Bei Kinderwunsch sollte die Schilddrüsenfunktion optimal mit Schilddrüsenhormonen eingestellt werden. So scheint eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen bei Hashimoto Thyreoiditis z.B. auch den AMH-Wert zu verbessern (Kuroda et al. 2018).

Postpartale Thyreoiditis: Schilddrüsenfehlfunktion nach der Schwangerschaft


Zwischen vier und sieben Prozent der Mütter weisen nach der Entbindung eine Postpartum-Thyreoiditis auf. Dabei liegt direkt nach der Geburt meist eine Schilddrüsenüberfunktion vor, die sich allmählich in Richtung Unterfunktion wandelt. Antriebsschwäche, Lustlosigkeit, starke Ängste und zuweilen auch Depressionen sind typische Symptome. Leider wird eine Post-Partum-Thyreoiditis nach wie vor häufig mit einer Wochenbettdepression oder dem "Baby-Blues" verwechselt. Bestehen die Beschwerden jedoch über einen längeren Zeitraum hinweg, sollte eine Therapie erfolgen.

Die Postpartale Thyreoiditis ähnelt der Hashimoto-Thyreoiditis. Vereinzelt finden sich im Blut der Frau Schilddrüsen-Antikörper, wie sie typischerweise bei der Autoimmunerkrankung vorliegen. Nicht immer ist eine Therapie notwendig, denn bei etwa der Hälfte der betroffenen Frauen findet der Körper nach der Schwangerschaft allein zurück in ein Gleichgewicht.

Quelle:

PoppeK,Bisschop PH, Fugazzola L, Mintziori G, Unuane D & Weghofer A European Thyroid Association guideline on thyroid disorders prior to and during assisted reproduction. European Thyroid Journal 2020 9 281-295.

Kuroda M, Kuroda K, Segawa T, Noh JY, Yoshihara A, Ito K, Osada H, Takeda S & Teramoto S. Levothyroxine supplementation improves serum anti-Müllerian hormone levels in infertile patients with Hashimoto’s thyroiditis. Journal of Obstetrics and Gynaecology Research 2018 44 739–746

Quintino-Moro A, Zantut-Wittmann DE, Tambascia M, MacHado Hda C & Fernandes A. High prevalence of infertility among women with Graves’ disease and Hashimoto’s thyroiditis. International Journal of Endocrinology 2014

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