kinderwunsch spezialisten in München

Hinter den Kulissen der Reproduktionsmedizin:

„Es gibt großen Bedarf“

22. Juli 2022 von Dr. med. Corinna Mann


Unsere Reproduktionsmedizinerin Frau Dr. Mann plauderte im Welt-Interview aus dem Nähkästchen und erzählte, was die Reproduktionsmedizin eigentlich leistet. Wir wollen Ihnen auch an dieser Stelle nicht vorenthalten, wo die Chancen und Grenzen liegen und was wir im Praxisalltag erleben.

Kinderwunsch-Spezialist: Das Wichtigste in Kürze

Reproduktionsmediziner verhelfen kinderlosen Paaren zu Nachwuchs. Sie arbeiten in Praxen oder großen Kinderwunschzentren. Neben der künstlichen Befruchtung gibt es viele weitere, auch sanfte Verfahren, um den Kinderwunsch zu erfüllen. Reproduktionsmediziner sind Frauenärzte, die eine spezielle Weiterbildung absolviert haben.

Was ist Reproduktionsmedizin genau?

Reproduktionsmedizin wird auch „Fortpflanzungsmedizin“ genannt und beschäftigt sich mit der Diagnostik und der Behandlung von Unfruchtbarkeit. Ungewollt kinderlose Paare erfahren also, warum der Nachwuchs bislang auf sich warten ließ. Im Anschluss erhalten sie ein individuelles Behandlungskonzept, um sich ihren Kinderwunsch doch noch zu erfüllen. „Das Schönste ist, wenn es bei Paaren, bei denen kaum mehr Hoffnung besteht, doch noch klappt. Ein Paar hat sechs Jahre lang versucht, schwanger zu werden. Sie kommen jetzt für ihr zweites Kind“, erzählt Frau Dr. Mann.

Dabei sind reproduktionsmedizinische Behandlungen nicht nur auf die künstliche Befruchtung beschränkt. Manchmal ist keine Therapie notwendig und es reicht aus, den Zyklus zu beobachten oder die Spermien zur richtigen Zeit mit etwas Nachhilfe in die Gebärmutter zu spülen.

„Die Reproduktionsmedizin hat mich früh fasziniert, da sie neben der Medizin auch viele psychologische, ethische und gesellschaftliche Fragen aufwirft“, so Frau Dr. Mann. Hier wird deutlich: Das Fachgebiet umfasst viel mehr als nur reproduktionsmedizinische Techniken, die Ei und Samenzelle zusammenbringen.

Was machen Reproduktionsmediziner?

„Wir legen viel Wert darauf, die genaue Geschichte der Paare zu verstehen. Einmal hatte ich ein Paar, Anfang 30, das sich seit Jahren ein Kind wünschte. Erst im Gespräch stellte sich heraus, dass sie noch nie richtig Verkehr hatten, weil die Frau unter Vaginismus leidet, bei dem die ganze Beckenbodenmuskulatur verkrampft. Um über so Intimes zu sprechen, braucht es Vertrauen. Als wir Bescheid wussten, konnten wir die Spermien des Mannes in die Gebärmutter einspülen, beim zweiten Versuch wurde sie schwanger“, erzählt Frau Dr. Mann.

In der Reproduktionsmedizin geht es um sensible Themen, die von den Paaren einerseits Offenheit verlangen, von den Ärzten auf der anderen Seite viel Empathie und Fingerspitzengefühl. Kommt beides zusammen, ist es oftmals möglich, die ungewollte Kinderlosigkeit mit der passenden Therapie zu beenden.

Übersicht: Methoden der Reproduktionsmedizin

Zyklusmonitoring


Wird der Zyklus überwacht, können Frauen ihre fruchtbaren Tage besser nutzen, um mit dem Partner ein Kind zu zeugen.

Mehr über Zyklusmonitoring

Hormonelle Stimulation


Möglichst gering dosierte Hormone lösen den Eisprung aus, damit das Paar das Kind auf natürlichem Weg empfangen kann.

Über Hormonelle Stimulation

Insemination


Hier werden die Samenzellen zum richtigen Zeitpunkt mit einem dünnen, weichen Katheter in die Gebärmutter gespült.

Ablauf der Insemination

IVF/ICSI


Ei und Samenzelle werden im Reagenzglas zusammengebracht. Bei der ICSI wird außerdem das vielversprechendste Spermium ausgewählt.

Künstliche Befruchtung

Samenspende


Bei vollständiger Unfruchtbarkeit des Mannes, lesbischen Paaren oder Singlefrauen kann eine Samenspende für Nachwuchs sorgen.

Wie läuft die Samenspende ab?

Social Freezing


Frauen, die erst später ein Kind wollen, können ihre Eizellen einfrieren lassen.

Eizellen einfrieren

Besonders Samenspenden und Social Freezing werden immer häufiger nachgefragt.

Frau Dr. Mann dazu: „Frauen kriegen immer später Kinder, die Biologie ist gleichgeblieben. Ich selbst habe vier Kinder und weiß, wie schwierig es manchmal ist, Beruf und Familie zu vereinbaren. Vielen Frauen fehlt zudem der richtige Partner. Immer mehr Singlefrauen wollen eine anonyme Samenspende. Und Social Freezing nimmt zu. Gerade Frauen, die im Beruf erfolgreich sind, fällt es schwer zu akzeptieren, dass die Natur begrenzt in ihrer Hand liegt.“

Die Gesellschaft ändert sich – Frauen leben selbstbestimmter und wollen ihre Familienplanung entsprechend gestalten.

Wie wird man Reproduktionsmediziner?

Zunächst ist ein rund sechsjähriges Medizinstudium notwendig, dem sich eine fünfjährige Facharzt-Weiterbildung in der Gynäkologie und Geburtshilfe anschließt. Darauf folgt eine dreijährige Vollzeit-Weiterbildung im Bereich „gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin“. Insgesamt dauert es also 14 Jahre, bis Fachärzte auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin genug Know-how aufgebaut haben, um als „Reproduktionsarzt“ tätig zu werden.

beste reproduktionsmediziner deutschland

Was macht gute Kinderwunsch-Spezialisten aus?

Diese Frage ist natürlich schwer zu beantworten, auch weil die Antworten subjektiv ausfallen dürften. Es gibt also nicht den einen „besten Reproduktionsmedizin“ oder das eine „beste Kinderwunschzentrum“ in Deutschland.

Was wir wichtig finden und in unserer Praxis entsprechend umsetzen:

  • ✓ persönliche Betreuung durch dieselbe Ärztin
  • ✓ Zeit für Gespräche in ruhiger Atmosphäre
  • ✓ gute Erreichbar durch flexible Terminvereinbarung
  • ✓ Angebot sämtlicher Behandlungsmöglichkeiten der Reproduktionsmedizin
  • ✓ permanente Fortbildung, Einhaltung wissenschaftlicher Standards und Integration neuer Erkenntnisse in den Praxisalltag

Daneben gibt es natürlich viele weitere Kriterien, die eine Rolle spielen können. Am Ende ist allerdings auch wichtig, dass die Patientinnen ein gutes Gefühl haben und sich gut aufgehoben fühlen.

Offene Fragen der Reproduktionsmedizin

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Die Reproduktionsmedizin begann mit der Geburt von Louise Brown 1978, dem ersten Kind, das im Rahmen einer künstlichen Befruchtung gezeugt wurde. Damals wie heute gibt es einige offene Fragen rund um die assistierte Reproduktionsmedizin.

„Schlimm finde ich, wie stark in Deutschland die Gesetze hinterherhinken. Laut Embryonenschutzgesetz dürfen wir bei einer künstlichen Befruchtung die Embryonen nur in bestimmten Fällen und auch nur nach einem Genehmigungsprozess durch eine Ethikkommission genetisch untersuchen, bevor sie eingesetzt werden. Diese frühe Untersuchung könnte viele Fehlgeburten und Abtreibungen vermeiden und den Frauen viel Leid ersparen“, erklärt Frau Dr. Mann. Aber nicht nur im Rahmen der Präimplantationsdiagnostik wird heftig über Pro- und Contra-Argumente diskutiert. In der Reproduktionsmedizin gibt es einige weitere Fragen, die die Ethik betreffen und einer Klärung bedürfen.

Eine weitere Baustelle ist die Behandlung lesbischer Paare. Denn längst nicht jede Kinderwunsch-Klinik nimmt sie auf. Es wäre durchaus wünschenswert, wenn es lesbischen Paaren einfacher gemacht werden würde, ebenfalls Nachwuchs zu bekommen. Die Richtlinien, die es aktuell gibt, sind weder eindeutig noch einheitlich. Sie gelten nur auf Länderebene – manche erlauben lesbischen Paaren die Kinderwunschbehandlung, andere äußern sich nicht dazu oder untersagen sie sogar. Und das im 21. Jahrhundert. Unsere Kinderwunschpraxis jedenfalls ist offen für lesbische Paare.

Ihre persönliche Kinderwunschärztin

Frau Dr. med. Corinna Mann
Frau Dr. med. Anja Albrecht
Dr. med. Nadine Al-Kaisi