Corona-Impfung bei Schwangerschaft und Kinderwunsch

Corona-Impfung: COVID-19 Vakzine bei Kinderwunsch und Schwangerschaft

15. Januar 2021 von Dr. med. Corinna Mann

 

Sollte man bei Kinderwunsch gegen Corona geimpft werden?


Diese Frage bekomme ich nun von sehr vielen Patientinnen gestellt. Zusätzlich geistern einige Gerüchte durch die Medienwelt, dass die COVID-19 Vakzine unfruchtbar macht.

Was steckt dahinter? Was sind die Fakten? Was sind die Empfehlungen?


Ganz kurz zur wissenschaftlichen Grundlage: mittlerweile sind mehrere COVID-19 Impfstoffe entwickelt worden. Der aktuelle Impfstoff in Deutschland von Biontech/Pfizer ist ein sogenannter mRNA Impfstoff. Herkömmliche Impfstoffe verwenden entweder abgeschwächte Viren, oder Teile von Viren. Der mRNA Impfstoff hingegen enthält selbst keine Virusproteine, sondern nur Informationen, die unsere eigenen Zellen brauchen, um ein Oberflächenprotein des Virus zu bauen. Dieses Protein, das sogenannte Spike Protein, wird dem Immunsystem präsentiert, das daraufhin eine Immunantwort (Antikörper und T-Zellen) gegen SARS-CoV-2 bildet und somit gegen eine Infektion schützt.

Das SARS-CoV-2 Virus benötigt das Spike Protein, um an die Körperzellen anzudocken und die Aufnahme des Virus in die Körperzelle zu starten.

Das Gerücht, dass die Impfung unfruchtbar macht, basiert auf der Annahme, dass das Spike Protein von SARS-CoV-2 und Syncitin-1, ein Protein, das für die Plazentabildung wichtig ist, ähnele und somit die Impfung eine Immunreaktion gegen die Plazentabildung auslösen würde. Hierfür gibt es keinerlei wissenschaftliche Daten!

Viele renommierte Wissenschaftlicher haben sich hierzu geäußert und betont, dass es zu dem Gerücht keine Grundlage gibt. Das Spike Protein und das Plazentaprotein sind so unterschiedlich, dass eine fälschliche Reaktion (Kreuzreaktion) im Grunde unmöglich ist. Die Gemeinsamkeiten von nur 4 (!) Aminosäuren ist zu kurz, um plausibel eine Autoimmunität auszulösen. Hierfür werden etwa 50 bis 80 Aminosäuren benötigt. Zudem müssten dann Frauen, die sich im letzten Jahr mit SARS-CoV-2 infiziert haben, unfruchtbar sein und man müsste eine hohe Fehlgeburtsrate bei einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 Virus sehen. Dies ist aber beides nicht der Fall.

Wie sieht es nun mit der Impfung aus? Wird eine Impfung bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft empfohlen?


Bei Impfungen mit den schon lange bekannten Lebendimpfstoffen (Impfungen mit abgeschwächten Viren), wie Röteln, Masern, Mumps oder Windpocken wird aufgrund von theoretischen Überlegungen bislang empfohlen, einen Monat nach der Impfung bis zum Eintritt einer Schwangerschaft zu warten.

In Bezug auf den bereits erwähnten mRNA Impfstoff gegen COVID-19 kann zurzeit noch keine ganz klare Empfehlung gegeben werden. Die STIKO (Ständige Impfkommission) des RKI empfiehlt derzeit nicht in der Schwangerschaft zu impfen. Zum Kinderwunsch äußert sich die STIKO nicht. Die Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ESHRE) empfiehlt aufgrund der bislang unklaren Datenlage eher zwei Monate nach der Impfung bis zum Beginn einer Kinderwunschbehandlung bzw. Schwangerschaft zu warten. Das amerikanische CDC (Centers for Disease Control and Prevention) spracht sich nach der Impfung weder für eine Wartezeit bis zum Eintritt einer Schwangerschaft noch für einen routinemäßigen Schwangerschaftstest vor einer Impfung aus.

In keiner der bisherigen Studien rund um die "Corona Impfung" sind bislang Schwangere geimpft worden. Daher ist die Datenlage eingeschränkt, um eine klare Empfehlung bezüglich der Impfung in der Schwangerschaft auszusprechen. Basierend auf der Wirkweise des mRNA Impfstoffs wird jedoch erwartet, dass die Impfempfehlungen und Einschränkungen für Schwangere die gleichen sein werden, wie für Nicht-Schwangere.

Bei Frauen mit einem hohen Risiko schwer an COVID-19 in der Schwangerschaft zu erkranken, kann eine Impfung in der Schwangerschaft nach den Empfehlungen verschiedener Fachgesellschaften empfohlen werden. Dies muss aber immer individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Erste Studien zur sogenannten Reproduktionstoxizität, also ob und wie sich die Impfung auf die Fortpflanzung auswirkt, werden für Ende des Jahres 2021 erwartet. Dann können klarere Empfehlungen ausgesprochen werden.