Corona-Impfung bei Schwangerschaft und Kinderwunsch

Corona-Impfung & Booster: COVID-19 Vakzine bei Kinderwunsch und Schwangerschaft

17. Februar 2022 von Dr. med. Corinna Mann

 

Sollte man bei Kinderwunsch gegen Corona geimpft werden?


Diese Frage bekomme ich nun von sehr vielen Patientinnen gestellt. Zusätzlich geistern einige Gerüchte durch die Medienwelt, dass die COVID-19-Vakzine unfruchtbar machen.

 

Was steckt dahinter? Was sind die Fakten? Was sind die Empfehlungen?


Ganz kurz zur wissenschaftlichen Grundlage: Mittlerweile sind mehrere COVID-19-Impfstoffe entwickelt worden. Der aktuelle Impfstoff in Deutschland von Biontech/Pfizer ist ein sogenannter mRNA Impfstoff. Herkömmliche Impfstoffe verwenden entweder abgeschwächte Viren oder Teile von Viren. Der mRNA-Impfstoff hingegen enthält selbst keine Virusproteine, sondern nur Informationen, die unsere eigenen Zellen brauchen, um ein Oberflächenprotein des Virus zu bauen. Dieses Protein, das sogenannte Spike-Protein, wird dem Immunsystem präsentiert, das daraufhin eine Immunantwort (Antikörper und T-Zellen) gegen SARS-CoV-2 bildet und somit gegen eine Infektion schützt.

Das SARS-CoV-2-Virus benötigt das Spike-Protein, um an die Körperzellen anzudocken und die Aufnahme des Virus in die Körperzelle zu starten.

Das Gerücht, dass die Impfung unfruchtbar macht, basiert auf der Annahme, dass das Spike-Protein von SARS-CoV-2 dem Syncitin-1, ein Protein, das für die Plazentabildung wichtig ist, ähnele und somit die Impfung eine Immunreaktion gegen die Plazentabildung auslösen würde. Hierfür gibt es keinerlei wissenschaftliche Daten!

Viele renommierte Wissenschaftlicher haben sich hierzu geäußert und betont, dass es zu dem Gerücht keine Grundlage gibt. Das Spike-Protein und das Plazentaprotein sind so unterschiedlich, dass eine fälschliche Reaktion (Kreuzreaktion) im Grunde unmöglich ist. Die Gemeinsamkeiten von nur 4 (!) Aminosäuren ist zu kurz, um plausibel eine Autoimmunität auszulösen. Hierfür werden etwa 50 bis 80 Aminosäuren benötigt. Zudem müssten dann Frauen, die sich im letzten Jahr mit SARS-CoV-2 infiziert haben, unfruchtbar sein und man müsste eine hohe Fehlgeburtsrate bei einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 Virus sehen. Dies ist aber beides nicht der Fall.

 

Führt die Impfung zu Zyklusstörungen?


Große Studien zu diesem Thema gibt es aktuell leider nicht. Aber ein Blick auf die Daten des Paul-Ehrlich-Instituts legt nahe, dass – wenn überhaupt – wohl nur sehr wenige Frauen betroffen sind. 0,4 bis 2,6 Fälle von Zyklusstörungen pro einer Millionen Impfungen wurden registriert. Zwar ist es medizinisch gesehen möglich, dass die Immunantwort des Körpers auf die Impfung auch den Zyklus beeinflusst. Gleichzeitig können Zyklusstörungen jedoch viele Gründe haben und auch rein zufällig in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung stehen.

Ein gestörter Zyklus pendelt sich in der Regel von selbst wieder ein. Erst wenn die Unregelmäßigkeiten länger anhalten, ist ärztlich Hilfe ratsam. Grundsätzlich sind mehr Studien über mögliche Zyklusstörungen nach einer Impfung wünschenswert. Aktuell spricht aber ein potentieller Zusammenhang nicht gegen die Impfung.

 

Wird eine Impfung bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft empfohlen?


In Bezug auf den mRNA-Impfstoff gegen COVID-19 lautet die aktuelle gemeinsame Empfehlung der relevanten Fachgesellschaften in Deutschland: Da durch die Impfung die Infektionsgefahr während der Schwangerschaft vermindert wird, wird eine COVID-19 Impfung bei Kinderwunsch empfohlen. Zwar haben Schwangere insbesondere in der Frühschwangerschaft seltener Symptome. Aber es gibt hauptsächlich in der späteren Schwangerschaft auch vermehrt schwerere Verläufe, die eine intensivmedizinische Betreuung notwendig machen. Insbesondere Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht sowie ein Alter über 35 Jahren sind Risikofaktoren für schwerere Verläufe. Außerdem ist hier die Sterblichkeit erhöht.

Auch die Booster-Impfung wird für Schwangere empfohlen und damit auch für Frauen, die sich ein Kind wünschen. So sprachen sich bereits im November 2021 einige Berufsverbände für die dritte Corona-Impfung schwangerer Frauen aus – darunter die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, der Berufsverband der Frauenärzte und die Deutsche Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin. Die sinkenden Antikörperzahlen einige Monate nach der zweiten Impfung und immer wieder auftretende Impfdurchbrüche erfordern eine Auffrischung des Impfschutzes.

Neue Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2022 bekräftigen, dass mRNA-Impfstoffe keine erhöhten Risiken für Schwangere und Ungeborene bergen. Das erklären Wissenschaftler der European Medicines Agency, die mehrere Studien mit rund 65.000 Schwangeren gesichtet haben.

 

Wie lange sollten Frauen nach einer Impfung mit der Schwangerschaft warten?


Für viele Frauen ist es schwierig, den Kinderwunsch noch länger aufzuschieben. Hier haben sich die Empfehlungen geändert. Zunächst hatte die ESHRE (Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin) eine Wartezeit von 2 Monaten empfohlen. Nun gaben die führenden deutschen Fachgesellschaften die Empfehlung heraus, dass Frauen nach Abschluss der 2. Impfung nur noch einige Tage warten müssen, um die Immunreaktion abzuwarten. Sowohl eine routinemäßige Schwangerschaftstestung vor einer Impfung als auch eine Schwangerschaftsverhütung nach der Impfung sind nicht erforderlich. Eine Impfung bei einer noch unbekannten Schwangerschaft stellt keine Indikation zum Schwangerschaftsabbruch dar.

Tierexperimentelle Daten zeigen, dass nach einer Impfung die mRNA hauptsächlich in der Einstichstelle selbst und in den nächsten Lymphknoten vorhanden ist. Sie ist für rund 72 Stunden nachweisbar.

Natürlich warten wir auf mehr Daten, mehr Studien und mehr Gewissheit. Aber ich denke, diese aktuellen Empfehlungen sind sehr ermutigend. Nach einer COVID-Impfung müssen Sie Ihren Kinderwunsch nicht lange aufschieben!

 

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